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Cannabis ist in Kalifornien so essenziell wie Toilettenpapier

Nicht nur Tankstellen und Supermärkte, auch Cannabis-Läden zählen in Kalifornien zu den essenziellen Geschäften, die während des Ausgehverbots geöffnet bleiben dürfen. Die Schlangen vor vielen Verkaufsstellen sind lang.

In Kalifornien zählen Cannabis-Läden zu der Kategorie «essenzieller Geschäfte». Elijah Nouvelage / Reuters

Wer dieser Tage in San Francisco spazieren geht, trifft nicht nur vor Supermärkten und Waffengeschäften auf Warteschlangen, sondern auch vor Cannabis-Läden. Sie gehören in Kalifornien zu den «essenziellen Geschäften», die trotz Corona-Ausgangsbeschränkungen offen bleiben dürfen, weil sie das «Wohlbefinden und die Gesundheit» der Bürger sicherstellen, wie Gouverneur Gavin Newsom in einer Anordnung festhielt.

Seit Januar 2018 ist das Rauschmittel in Kalifornien nicht mehr nur für medizinische Zwecke, sondern auch für den reinen Genuss ab 21 Jahren erlaubt. Mehr als 1100 lizenzierte Verkaufsstellen und Lieferdienste gibt es inzwischen. Besonders in Pandemie-Zeiten scheinen viele auf die beruhigende Wirkung von Cannabis zu setzen: In den Tagen nach der Ausrufung der Ausgangsbeschränkungen verdoppelten sich die Verkäufe vielerorts im Vergleich zum Vorjahr, wie die Cannabis-Marktforschungsfirma Headset meldete. Besonders beliebt seien essbare Erzeugnisse, berichteten Händler. Nicht nur auffällig viele Frauen und junge Konsumenten kauften ein, auch seien die gekauften Mengen grösser als sonst – ähnlich wie beim Toilettenpapier also. Milch, Brot und Joints, viele Kalifornier wollen offenbar ihre Grundbedürfnisse gedeckt wissen.

Auch in anderen Gliedstaaten wie Florida und Oregon zählen Cannabis-Läden in die Kategorie «essenzieller Geschäfte» wie sonst nur Tankstellen und Supermärkte. In Denver wollte der Bürgermeister zunächst alle Cannabis-Geschäfte schliessen, revidierte seinen Entscheid aber nach wenigen Stunden, als die Bürger panisch die Läden stürmten.

Befürworter des Entscheids verweisen darauf, dass eine Schliessung der Cannabis-Geschäfte die Kunden in den Schwarzmarkt drängen würde, wo gepanschte Produkte zirkulieren – womöglich ohne Handschuhe und Atemmasken abgepackt. Kritiker halten dem entgegen, dass jeder geöffnete Laden ein Gesundheitsrisiko darstelle. Doch auch die Cannabis-Geschäfte haben sich angepasst – die Kette Curaleaf etwa hat nun separate Einkaufszeiten für Kunden über 60 Jahre.

Quelle: www.nzz.ch

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